Verantwortlichkeit

Verantwortlichkeit

Du sitzt am Steuer und auf einmal schmettert ein Vögelchen gegen die Windschutzscheibe. Kurz das sanfte, weiche Geräusch einer Wärmflasche, wie wenn sie gegen eine Wand geschlagen wird. Dann Stille. Blut und ein paar Federn, das ist alles was bleibt.

Es ist etwas Schreckliches, ein Vögelchen mitten aus dem Leben zu reißen. Das klingt wie ein übersentimentaler Satz. Doch, es ist etwas Unumkehrbares passiert. Ein Vögelchen ist in sich so vollkommen. Äuglein, Ohren, Achseln, all das hatte es, in herzergreifenden Proportionen. Ein Herz, einen Darmtrakt, alles.

Ein kleines Universum platzte auseinander. Etwas Warmes wurde kalt und sehr bald schon wird es für immer verschwunden sein.

Du hast das Grauenvollste getan, was du aus der Unmenge an grauenvollen Dingen hättest tun können: Du hast in einen lebendigen Mechanismus eingegriffen. Du hast dich an etwas vergriffen, das auch sehr wohl ohne dich kann.

Du bist ein Mörder.

‚Das verdammte Auto‘, murmelst du. Und ohne es zu wissen, sprachst du damit den grundlegenden Satz aus. Der Tod des Vögelchens berührte dich zwar kurz unangenehm, aber ein Anderer, etwas Anderes hat es umgebracht.

Und so ist es sofort für dich möglich, wieder zur Tagesordnung überzugehen, schlimmstenfalls mit dem Mord des nächsten Federtierchens.

Blutbäder scheinen nun – auf einmal – unvermeidbar und marginal.

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